Wirecard Skandal wird zu einem Problem für Fintech Unternehmen

Die deutsche Opposition forderte am Montag eine parlamentarische Untersuchung des Zusammenbruchs der Zahlungsverkehrsfirma Wirecard, nachdem ein weltweiter Betrug, der eine klaffende Lücke in den Büchern hinterließ, von Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden jahrelang unentdeckt blieb.
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Der Antrag auf eine Untersuchung von Wirecard wurde gestellt, nachdem Deutschland seinen Vertrag mit der privatwirtschaftlich geführten Buchhaltungsaufsichtsbehörde DPR kündigen wollte, nachdem die Finanzaufsichtsbehörde BaFin den Skandal als „totales Desaster“ gebrandmarkt hatte.

Wirecard meldete am Donnerstag Insolvenz an und schuldete den Gläubigern fast 4 Milliarden Dollar, nachdem es eine Lücke von 1,9 Milliarden Euro (2,1 Milliarden Dollar) in seinen Konten aufgedeckt hatte, die nach Aussage seines Wirtschaftsprüfers EY das Ergebnis eines raffinierten globalen Betrugs war.

Der Präsident der DPR, Edgar Ernst, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass nur ein Angestellter damit beauftragt worden sei, Wirecard zu überprüfen, nachdem die BaFin sie gebeten hatte, die Konten des Unternehmens für die erste Hälfte des Jahres 2018 zu prüfen. Die Bewertung der DPR war zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs von Wirecard noch nicht abgeschlossen.

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 Der liberale Bundestagsabgeordnete Frank Schaeffler, der auch im Aufsichtsrat der Bafin sitzt, beantragte die parlamentarische Untersuchung und gab ab, er glaube, dass es sowohl strukturelle als auch personelle Mängel bei der Finanzaufsicht gebe. „Die Tatsache, dass die Bafin trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten 15 Monate auf einen Bericht der DPR wartet, ist absurd“, sagte er. „Das ist, als würde man mit Wattebällchen auf einen Elefanten schießen.“

Ein weiteres Vorstandsmitglied der BaFin bestätigte, dass auch gegen die deutsche Regierung ermittelt werden sollte, da es immer wieder Berichte über Probleme bei Wirecard gegeben habe. „Die Rolle des Finanzministeriums muss untersucht werden, da seit geraumer Zeit Berichte über Unregelmäßigkeiten eingehen“, sagte der konservative Alexander Radwan. „Fintechs, die Finanzdienstleistungen anbieten, brauchen eine angemessene Aufsicht“, gab er gegenüber der Presse an.

Ein Sprecher des Justizministeriums sagte, die Regierung analysiere, inwieweit die Prüfungsaufsicht reformiert werden sollte.

Die Wirecard-Insolvenz – die erste von einem Mitglied des deutschen Leitindex DAX – veranlasst auch die Deutsche Börse, mögliche Revisionen der DAX-Mitgliedsregeln zu prüfen, sagte der Börsenbetreiber. Die Implosion der Wirecard kam sieben Tage nachdem EY, die mehr als 10 Jahre die Bücher von Wirecard geprüft haben, sich geweigert haben, den Jahresabschluss 2019 zu unterzeichnen. Dies zwang Geschäftsführer Markus Braun zurück zu treten und dass das Unternehmen zugab, dass 1,9 Milliarden Euro seiner Barmittel wahrscheinlich nicht existierten. EY gab an, es habe klare Hinweise darauf gegeben, dass dies ein ausgeklügelter und raffinierter Betrug sei, an dem mehrere Parteien in verschiedenen Institutionen auf der ganzen Welt beteiligt seien.

EY gab bekannt, es habe durch Beamten der philippinischen Banken BPI und BDO – die als Partner von Wirecard genannt werden , bestätigt, dass EY falsche Bankbestätigungen und Kontoauszüge für Wirecard-Treuhandkonten vorgelegt bekommen habe.

Image by Ahmad Ardity from Pixabay 

Die philippinische Anti-Geldwäsche-Behörde gab bekannt, sie werde eine „schnelle und gründliche“ Untersuchung gegen Wirecard durchführen. Die Zentralbank hatte zuvor bestätigt, dass kein Geld von Wirecard in das philippinische Finanzsystem gelangt sei.

Ein philippinischer Anwalt, Mark Tolentino, der angeblich Konten für Wirecard einrichtete, gab an, das er überrascht sei, tatsächlich mit der deutschen Firma in Verbindung gebracht zu werden, da er bis zum Ausbruch des Skandals nicht gewusst habe, dass die von ihm eingerichteten Konten für Wirecard waren.

Während Wirecard am Samstag mitteilte, dass es nach der Insolvenzanmeldung seine Geschäftsaktivitäten fortsetzen werde, schränken die Aufsichtsbehörden einige der Aktivitäten des Unternehmens ein und zwingen dadurch einige Finanztechnologieunternehmen, ihre Dienstleistungen einzustellen.

Großbritanniens Financial Conduct Authority sagte am Montag, dass, während Wirecard auf seine Bedenken einging, die Beschränkungen für einige seiner Aktivitäten vorerst bestehen bleiben würden. Ein Münchner Gericht ernannte am Montag Michael Jaffe zum Verwalter von Wirecard.

Die BaFin erwägt auch die Verhängung eines Moratoriums über die Wirecard-Banksparte, um zu verhindern, dass Geld abfließt. Während der ehemalige Wirecard-Geschäftsführer Markus Braun nach seiner Verhaftung in der vergangenen Woche gegen Kaution freigelassen wurde, plant der ehemalige Chief Operating Officer Jan Marsalek nicht, sich zu stellen, berichtete die Süddeutsche Zeitung.

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Das Handelsblatt berichtete, die deutsche Staatsanwaltschaft habe einen internationalen Haftbefehl gegen Marsalek erlassen. Der philippinische Justizminister Menardo Guevarra sagte am Freitag gegenüber Reuters, Marsalek sei am 23. Juni auf den Philippinen gewesen und die Einwanderungsunterlagen zeigten, dass er am nächsten Tag nach China geflogen sei. Marsalek’s Anwalt stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Bildrechte Cover Foto: Image by Miloslav Hamřík from Pixabay 

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